Jahreszeiten der Liebe

Lebensübergänge und Krisen in der Paarbeziehung – Beziehungsprobleme als Herausforderung zu Entwicklung 1)

Paare durchlaufen während ihrer gemeinsamen Geschichte mehrere charakteristische Phasen. In jeder Phase haben die Paare spezifische Aufgaben zu bewältigen (s. unten Abb. „Die Jahreszeiten der Liebe – Der Lebenszyklus eines Paares.“). Dieses Orientierungsmodell trifft statistisch gesehen (noch) auf die Mehrzahl der Paare zu. Jellouschek weist dabei ausdrücklich darauf hin, dass er damit andere Lebensentwürfe, die diesem Phasenverlauf nicht entsprechen, nicht etwa abwerten möchte. Für sie ergeben sich teilweise dieselben Aufgaben, teilweise sind sie unterschiedlich, vor allem wenn es sich um kinderlose Paare oder um zweite und dritte Beziehungen handelt, bei denen sich die Phasen teilweise ungleichzeitig bei Mann und Frau einstellen.

Nochmals auf das Modell zurückkommend sind Paare ständigen Veränderungsprozessen unterworfen. Jellouschek formuliert es wie folgt: Damit ein Paar seine Identität als dieses Paar behält, muss es ständig ein anderes werden. Das Paar das ein Kind bekommt muss z.B. seine ganze Lebensweise umstellen, um dieses Paar bleiben zu können.

Sich einstellen auf Neues heißt: bisher Gewohntes und Eingespieltes loszulassen und Neues zu entwickeln, das man noch nicht kennt und vielleicht auch noch nicht kann. Somit ist es ganz natürlich, dass diese Übergänge als Krisen erlebt werden. Viele Beziehungskrisen hängen mit solchen Übergangskrisen zusammen (Welter-Enderlin, R.(2003): Paare – Leidenschaft und Lageweile. Die Kunst des Lebens zu zweit).

Diese Aufgaben in den Übergängen können entweder zur Beziehungskrise werden, wenn es dem Paar nicht gelingt diese Aufgaben zu bewältigen oder sie werden zur Beziehungschance, wenn das Paar sie als Herausforderung versteht und meistert. Entscheidend ist, dass das Paar in einer derartigen Krise nicht steckenbleibt. Es lohnt sich also u.a. immer wieder zu fragen:  „Zu welcher Entwicklung als Paar fordert uns diese Krise heraus?“

Denn das Meistern bewirkt, dass die Liebe reicher und tiefer wird und dass das Paar in der Beziehung mehr Befriedigung und Glück erfährt.

Nicht die Defizite des Paares oder der Partner werden betont, sondern das Streben nach Lösung und Weiterentwicklung.

In der Paarberatung geht es nie um die Wiederherstellung eines früheren Zustandes, auch wenn sich Partner dies zuweilen sehr wünschen. Es geht immer um Weiterentwicklung, um den Anstoß zum Aufbruch in neue Lebensräume.

1) Text und Abbildung sind (teilweise auch in leichter Modifikation) entnommen aus:
Jellouschek, Hans (2005): Die Paartherapie, S.26 -29 und  „Jellouschek, Hans (2002): Jahreszeiten der Liebe, Lebensübergänge und Krisen in der Paarbeziehung. CD, Auditorium Müllheim
 

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